Cyber Bugs - Woche 6: Halb Käfer, halb Maschine

Kreatur der Woche

Cyber Bugs
Woche 6: Halb Käfer, halb Maschine

Wer erinnert sich nicht an die eklige Szene in „Matrix“, in der Neo ein merwürdiger, insektenartiger Roboter durch den Bauchnabel hindurch impalntiert und später von Trinity durch den selben wieder extrahier wird? Oder die an den Sehnerv gekoppelten Minispione im Streifen „Die Insel“, die der Klon irgendwann unter Schmerzen wieder auspinkeln muss? Beides sind hervorragende Beispiele für Kreaturen, die ich hier mal mit dem Begriff Cyber Bugs klassifizieren möchte: kybernetische Käfer. Sie vereinen die uralte Angst vor Insekten mit dem Faktor der menschenverachtenden Technologie und bringen so ideale Voraussetzungen für den Einsatz in einem düsteren SciFi-Setting mit sich.

Ein Cyber Bug hat eine Aufgabe. Diese kann er im schlimmsten Falle im Körper eines Opfers erledigen, im offensichtlichsten Falle aber auch außerhalb: in einem Unkown Armies-Szenario kommen z.B. von einem Mechanomanten geschaffene Kakerlaken als winzige aber rasiermesserscharfe Angreifer vor. Bei der „Erfindung“ eines eigenen Roboterinsekts sollte sich der Spielleiter über diese Aufgabe Gedanken machen. Handelt es sich um ein Überwachungssystem? Ist es ein destuktiver Mechanismus, der Menschen angreift? Ist es ein Druckmittel?

Wie erfüllt die Kreatur ihre Aufgabe? Je perfider die Methode, desto besser! Ein direkt an den Sehnerv angeschlossenes Aufzeichnungsgerät für Spionagezwecke ist sehr gemein, ebenso ein Cyber Bug, der sich im Herz des Opfers einnistet um dieses bei Bedarf zu stoppen. Benutzt es dafür Werkzeuge? Nutzt es vielleicht gar Ressourcen des menschlichen Wirtes und verändert so zum Beispiel Muskelzellen, um daraus Energie zu gewinnen? Science Fiction muss keine exakten wissenschaftlichen Erklärungen liefern, aber Pseudo-Wissenschaft kann das Genre bereichern und durch entsprechende Vorüberlegungen kann der Spielleiter der Kreatur mehr Tiefe geben. Passende Handouts könnten die technische Funktionsweise sogar stimmungsvoll wiedergeben.

Wer hat die Kreatur überhaupt geschaffen? Eine interessante Frage, deren Antwort tief blicken lässt. Meistens sind es nicht die Netten, die auf andere einen Cyber Bug hetzen. Hier lässt sich eine egsamte Kampagnenstory dran aufhängen und die Art und das Aussehen der Kreatur wird sicher maßgeblich vom Stil des Herstellers beeinflusst.

Wie wird man es los? Kein Abenteuer ohne Lösung! Die Spielercharaktere vor vollendete Tatsachen zu stellen ist keine gute Methode. Schließlich entsteht Dynamik erst dadurch, dass Handlungsoptionen offen bleiben. Also muss sich der Spielleiter darüber im Klaren sein, auf welchem Weg ein Charakter den Cyber Bug loswerden oder bekämpfen kann. Eventuell ist es dafür notwenig, bestimmte Ausrüstung oder Kenntnisse zu erhalten, genug Anreiz also für ein Abenteuer.

Cyber Bugs müssen nicht immer weltlicher Natur sein. In einem Setting wie KULT, in dem Dämonen teilweise bizarre Biomechanoiden sind, könnte eine solche Kreatur genauso aus einer ekligen Mischung aus Fleisch und Metall bestehen. Oder es handelt sich um etwas, dass nur für den Betroffenen existiert? Käfer unter der Haut zu haben ist ein Symptom, dass in so mancher Anstalt beobachtet werden kann. Wenn niemand außer man selbst diese sieht, kann das noch ganz andere Folgen haben. Der Horror steigt ins unermessliche.

Man sieht, dass man mit dem Gedanken vielseitig experimentieren und seine eigenen Cyber Bugs erfinden, die in ziemlich viele Settings passen können. In einigesn Systemen gibt es auch schon solche Kreaturen, ich erinnere mich an die Roboterfliege aus einem Chromebook für Cyberpunk, die per Interface gesteuert werden kann. Viel Spaß beim Konstruieren!

- Oliver Fedtke